Irgendwie mag ich diese Ein-Wort-Überschriften mitsamt Punkt. Vor allem, wenn ich dann immer so bedeutungsschwangere Worte wie „Dekadenz“, „Intelligenz“ oder heute „Spontaneität“ wähle. Herrlich.
Wir schreiben den 22. November, also ziemlich genau letzten Sonntag, etwa 15:13 Uhr, also ziemlich genau diese Uhrzeit (ich habe gerade nachgesehen), als mich, hinter meiner (un)geliebten Kasse stehend, eine SMS vom Schroedy erreicht. Er bat mich, meinen Lieblingsmessenger anzuschmeißen. Geht schlecht, so mitten während der Schicht. Also mal in Erfahrung gebracht, was denn so dringend sei. BÄM! Serdar Somuncu am 1.12. ist ausverkauft. So ein Dreck. Ob ich auch am 30.11. könne? Na klar! Und nebenbei, wie ich denn Billy Talent so fände? Kurz und knapp „top“, eine meiner Lieblingsbands.
„Hätte eine Karte für das Konzert heut Abend zu verschenken.“ BÄÄÄM! Warte. Das muss ich noch mal lesen! Billy Talent. Konzert. Karte. VERSCHENKEN!
Okay, scheint wahr zu sein. Er fährt mit dem Auto, Einlass um 18.30 Uhr. Fuck! Meine Schicht geht bis 18.00 Uhr. Was? Sitzplätze? Beginn erst um 20.00 Uhr? Geil, bin dabei! Du holst mich sogar ab? Wird ja immer besser!
Kurz meiner neuen Lieblingskollegin eine SMS geschickt, sie möge doch pünktlich erscheinen, damit ich auch wirklich um 18.00 Uhr fertig bin – sie war seeehr früh vor Ort. Ich war schon beim Zählen meiner Kasse so aufgeregt, dass ich andauernd Geld ‘runtergeschmissen hab’. Egal. Nach Hause, kurz kämmen und was anderes anziehen und ab geht’s – Westfalenhalle 1, wir kommen!
Ich kann meinen Dank bis heute nicht in Worte fassen. Auf der B1 sind wir dann, Sturm sei Dank, kurzzeitig von einem Ast attackiert worden und fast ertrunken – wir hatten dann aber doch einen relativ geilen Parkplatz direkt vor dem Eingang. So konnten wir die Halle dann auch betreten, ohne dass sich meine Haare locken, und erst ein mal den Merchandise-Stand aufsuchen. Die Preise waren ein kleiner Wucher (im Vergleich zu Madsen oder den Beatsteaks), aber Tourshirt-Tick bleibt nun mal Tourshirt-Tick. Zugeschlagen und ab in den Oberrang, die erste Vorband ließ nicht mehr lange auf sich warten. Während Schroedy und ich mutmaßten, ob die Cancer Bats übersetzt wirklich Krebs-Fledermäuse sein sollen, begutachteten wir den Gitarristen (welcher in etwas so aussieht wie ich – nur einen Kopf kleiner und bestimmt 20 Kilogramm schwerer) beim Headbangen und -kreisen. Viel Spaß beim Kämmen! Links von uns platzierte sich eine Familie, bestehend aus Mutter, Sohn, Tochter und Tochter (alle zwischen 09 und 14 Jahren, tippe ich (außer der Mutter natürlich! (dreifach-Klammer again! Yeah!))), deren Motiv für den Konzertbesuch mir bis heute nicht sonderlich klar ist, riefen die beiden Gören doch die ganze Zeit „Laaangweilig“ (außer beim Heartbreak-Song (Sorry für das englische Wort, Herzbrech-Lied klingt aber einfach scheiße!)). Wirkte nicht so, als sei Rock deren bevorzugte Musikrichtung. Whatever.
Als zweite Vorband (!) erlebten wir dann Silverstein (wie spricht man das aus?), die Herr Tobsen vollkommen zurecht bereits als Emostein titulierte. Gefallen hat’s trotzdem, zumal das Ganze deutlich besser abgemischt und musikalisch sowie optisch abwechselungsreicher war als die Cancer Bats. Spätestens an dieser Stelle muss ich sagen: Mosh-Pits sehen von oben extrem grandios aus! Generell war die Position im halblinken Oberrang mal was Neues und ‘ne sehr coole Erfahrung – ganz angenehm, nicht ganz so schweißgebadet und Hämatomübersäät zuhause anzukommen.
Relativ pünktlich um 21:45 Uhr betraten dann, begrüßt von lautem Jubel und Gekreische, endlich Billy Talent die Bühne.
Mit Devil In A Midnight Mass und This Suffering haben die Jungs einen recht geilen Einstieg gewählt – Surrender kam zum Glück auch recht früh, sodass ich das Konzert genießen konnte – danach wurden Stücke aller Alben sehr bunt gemischt. Irgendwann hielt es um uns herum dann keinen (bis auf die Drecksblagen links von uns…) mehr auf den Sitzen und es wurde ein richtig geiles Konzert! Sänger Ben fragte zwischenzeitlich noch nach dem Sinn von Kondomen über der Meute und verteilte Wasser (bis auf die Sitzplätze!), während im Innenraum ein Tanzkreis auf den anderen folgte. Ein grandioser Abend, für den ich mich hiermit noch einmal herzlichst bedanken möchte! Danke, Daniel! Nach gut 80 Minuten Spielzeit verabschiedeten sich die Kanadier (ziemlich ungenaue Formulierung, waren doch alle drei Bands aus Kanada) mit Red Flag standesgemäß, was den jungen Mann mit dem roten Umhang dann auch endlich seinen wohlverdienten Auftritt brachte.
Die Rückfahrt führte uns dann noch mal kurzzeitig am Tempel der Glücksseligkeit vorbei, bevor es dann – verhältnismäßig trocken – wieder gen Heimat ging. Kurz vor Mitternacht noch einen Zwischenstopp beim güldenen M eingelegt, einen Hamburger mit Käse bestellt („Soll ich den Cheeseburger jetzt in Hamburger-Papier einwickeln?“ – „Ich bitte darum!“) und aus einer Schnappsidee ein grandioses und absolut erfolgsversprechendes Konzept entwickelt, bevor mich dann einige wundervolle Donuts und mein wohlverdientes Bett erwarteten.
Seitdem bin ich leicht erkrankt, ein derart geiles Konzert ist dies aber allemal wert! Danke Anna, danke Daniel, danke Billy Talent!
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